Künstliche Intelligenz hat den Schul- und Studienalltag grundlegend verändert. Sie erleichtert vieles, stellt aber auch das Lernen selbst vor neue Herausforderungen. Entscheidend ist nicht, ob KI genutzt wird, sondern wie Erwachsene und Lehrende Lernprozesse begleiten, damit Kinder und junge Menschen verstehen, statt nur Ergebnisse zu produzieren.

Künstliche Intelligenz, insbesondere in Form von Chat-Bots, ist längst Teil des Lernens geworden. Schülerinnen und Schüler lassen sich komplizierte Texte vereinfachen, Studierende erzeugen Gliederungen für Hausarbeiten, Vokabeln werden im Chat geübt und mathematische Probleme in Sekunden gelöst. Für viele wirkt das wie eine natürliche Weiterentwicklung der digitalen Bildung. Gleichzeitig verändert diese Entwicklung jedoch die Art und Weise, wie junge Menschen denken, üben und verstehen. Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht, ob man KI erlauben oder verbieten sollte, sondern wie Erwachsene Lernprozesse so begleiten können, dass der Nutzen überwiegt und die Verlockung automatischer Abkürzungen nicht das eigene Denken verdrängt.

Warum zu viel Unterstützung das Lernen schwächen kann

Viele Risiken rund um KI im Bildungsbereich entstehen nicht durch Betrug im klassischen Sinn, sondern durch ein schleichendes Verschieben der Verantwortung. Wenn Kinder und Jugendliche sich Lösungswege nicht mehr selbst erarbeiten, verlieren sie genau jene Erfahrungen, die für nachhaltiges Lernen notwendig sind. KI erzeugt glatte Texte, klare Formulierungen und einfache Zusammenfassungen. Das klingt hilfreich, nimmt aber die Reibungspunkte weg, die sonst dazu führen, dass man innehält, nachdenkt, Fragen stellt und Zusammenhänge wirklich versteht. Denn Lernen ist kein passiver Prozess der Absorption, Wissen und Kompetenzen müssen viel mehr vom Lernenden aktiv mental konstruiert werden. Dabei ist ein gewisses Maß an so genannter „desirable difficulty“ unabdingbar.

Auch die Fehleranfälligkeit von KI wird leicht unterschätzt. Inhaltlich falsche Antworten von Chat-Bots klingen oft überzeugend. Wer sich auf diese Sicherheit beim Lernen verlässt, ohne das Ergebnis durch andere Quellen zu prüfen, läuft Gefahr sich Fehlvorstellungen anzueignen.

Ein weiterer Aspekt betrifft die Motivation. Wenn Aufgaben das Gefühl vermitteln, dass sie technisch jederzeit ersetzbar sind, fällt es schwerer, ihren Sinn zu erkennen. Manche Schülerinnen und Schüler erleben dann ein Gefühl von Austauschbarkeit. Zugleich entsteht eine Form von Ungerechtigkeit, denn wer Zugang zu besseren Tools oder kostenpflichtigen Versionen hat, kann sich Vorteile verschaffen, die von außen kaum sichtbar sind. All das macht deutlich, wie wichtig eine kluge pädagogische Orientierung ist.

Wie Eltern sinnvoll begleiten können

Für Eltern kann Begleitung sehr viel wirksamer sein als Verbot. Hilfreich ist es, mit Kindern darüber ins Gespräch zu kommen, wie sie die KI zum Lernen eigentlich verwenden. Wenn sie zeigen, welche Frage sie gestellt haben, wird für Eltern schnell sichtbar, ob sie das Material tatsächlich verstanden haben. Anschließend können Eltern gemeinsam mit den Kindern reflektieren, ob der Einsatz der KI ihnen tatsächlich beim Lernen geholfen hat. Ziel ist es, zusammen nachvollziehbare Lernstrategien zu entwickeln; gerne auch KI-gestützt, aber nur dann, wenn das Kind dadurch wirklich besser lernt. Regelmäßige Lernüberprüfungen, etwa durch das eigenständige Bearbeiten von Aufgaben aus dem Schulbuch, sollten deshalb fester Bestandteil dieser Strategie sein.

Was Schulen und Hochschulen jetzt brauchen

Für Schulen und Hochschulen bedeutet der Umgang mit KI, neue und klare Rahmenbedingungen zu schaffen. Pauschale Regeln reichen nicht mehr aus. Transparente und aufgabenspezifische Vorgaben schaffen Orientierung und entlasten sowohl Lehrkräfte als auch Lernende. Wenn klar kommuniziert wird, wofür KI genutzt werden darf und wofür nicht, sinkt das Risiko unbeabsichtigter Regelverstöße. Auch Prüfungsformate verändern sich. Schriftliche Abgaben ohne Aufsicht zeigen künftig weniger zuverlässig, was jemand selbst erarbeitet hat. Mündliche Kurzformate, kleine Übertragungsaufgaben oder situative Erklärungen können dagegen sehr gut sichtbar machen, ob ein Thema wirklich verstanden wurde.

Trotz aller Herausforderungen bietet KI auch Chancen. Sie kann erklären, vereinfachen, Beispiele liefern und Lernwege zugänglicher machen. Schülerinnen und Schüler mit hoher Belastung oder mit Lernschwierigkeiten profitieren oft von einer ruhig erklärten zweiten Perspektive. Entscheidend ist die Balance. KI sollte Lernende in die Lage versetzen, selbst zu denken, nicht davon entlasten. Am Ende zählt, dass junge Menschen in praktischer Anwendung zeigen können, was sie gelernt haben. Genau dort beginnt Kompetenz.

Nützliche KI-Tools für den Unterricht – kurz & kompakt

🔐 Datenschutz zuerst

Schülerinnen und Schüler dürfen nicht im Unterricht aufgefordert werden sich bei externen Diensten anzumelden. Deshalb sind viele gängige KI-Tools nur für Lehrkräfte nutzbar und nicht für Schülerinnen und Schüler.

📨 Eltern informieren

Da KI ein sensibles Thema ist, hat sich etabliert, dass Lehrkräfte den Einsatz von KI im Unterricht vorab per kurzer Mail ankündigen, um Fragen und Sorgen zu klären.

🛡️ Datenschutzkonforme KI: SchulKI, fobizz & telli

SchulKI und fobizz: Die beiden lösen das Datenschutzproblem elegant: Nur Lehrkräfte müssen sich registrieren, die Schülerinnen und Schüler nutzen die KI über sichere, anonyme Zugänge.

telli: Vom FWU Institut für Film und Bild in Wissenschaft und Unterricht gGmbH gefördert, ist telli die kommende Alternative. Komplett kostenlos, keine Accounts nötig. In NRW bald flächendeckend verfügbar.

🧰 Praktische Office-Helfer

PowerPoint Designer: Automatische Folienlayouts aus vorhandenen Inhalten generieren.

Excel „Daten aus Bild“: Einfach ein Foto von einer Tabelle machen – Excel wandelt es in editierbare Zellen um. Perfekt für Zeugnislisten, Telefonlisten oder Notenübersichten ohne manuelles Abtippen.

🐟 FelloFish

FelloFish ermöglicht Lehrkräften, Schreibaufgaben mit Bewertungskriterien anzulegen, Schülerinnen und Schüler bekommen daraufhin individuelles, KI-basiertes Feedback, können überarbeiten und erneut abgeben. Wichtig: Nach dem neuen EU AI Act dürfen KI-Einschätzungen nicht in die offizielle Notengebung einfließen.

🎵 Kreativtool: SUNO

Lehrkräfte können in Sekunden Songs generieren, Damit eignet es sich perfekt für Projekte oder humorvolle Einstiege.

🌐 Hugging Face Spaces

Bietet eine große Sammlung kleiner KI-Tools, die ohne Anmeldung nutzbar sind. Ideal, um viele Schritte in der Unterrichtsvorbereitung leichter zu machen.

Der Autor

Tristan Kley

Projektleiter Academy (Fraunhofer IMS)

Tristan Kley

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